Schwarze Wolken über Plesching und Windegg

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Der Autobahnanschluss Universität ist das letzte fehlende Glied im Ausbau der Pleschinger Srasse zur neuen Linzer Ostumfahrung.

Ursprünglich geplant war ein Halbanschluss unterhalb der Schrebergartensiedlung Koglergraben, bestehend aus einer Autobahnabfahrt für den Verkehr vom Stadtzentrum sowie einer Auffahrtsrampe in dieselbe Richtung. Das tägliche Staudesaster auf der A7 im Bereich Voest-Brücke und die schlechten Aussichten für die Finanzierung des Westring Nordtunnels, Baubeginn frühestens 2025 (wenn überhaupt), führten jedoch zu einem schnellen Umdenken der verantwortlichen Politiker.

Schwarze GewitterwolkenDüstere Verkehrsprognosen bis zum Jahr 2025 (20.000 KfZ mehr pro Werktag auf der Mühlkreisautobahn im Bereich Urfahr, das entspricht einer Verkehrszunahme von mehr als 30%,  Großteil Ziel- und Quellverkehr von und nach Linz) trugen ihr übriges dazu bei, daß ohne lange nachzudenken die Variante Halbanschluss zugunsten eines Autobahn-Vollanschlusses oberhalb der Schrebergartensiedlung fallen gelassen wurde.

Denn in einem Punkt herrscht Einigkeit. Es gibt nur eine finanziell realistische Möglichkeit, das Stauchaos im Bereich des Flaschenhalses A7 - Voest-Brücke in den nächsten Jahren und Jahrzehnten halbwegs im Griff zu behalten: Eine Ableitung des zusätzlichen Pendlerverkehrs aus  dem Mühlviertel im Nordosten der Stadt (Autobahnanschluss Universität), Vorbeiführung im Osten der Stadt entlang der Donau (L569, Pleschinger Strasse) und erneute Einleitung in die Stadt über die B3 - Steyregger Brücke ins Stadtzentrum bzw. weiter auf die A7. Ein Großteil der Vorarbeiten dafür wurde bereits geleistet: Die Steyregger Brücke und das anschließende Teilstück auf dem Voest-Gelände sind inzwischen durchgehend vierspurig ausgebaut, die Pleschinger Landesstraße wurde verbreitert und neu asphaltiert. Das einzig fehlende Element für die Realisierung der neuen Ostumfahrung ist eine neue Anschlussstelle oberhalb der gegenwärtigen Stadtgrenzen, um den Verkehr von der Autobahn ableiten bzw. zuführen zu können.

Gemeinsam mit ASFINAG und Land Oberösterreich beschloss die Stadt Linz deshalb bereits 2006  einen neuen Autobahnvollanschluss „Universität“ zu errichten. Ursprünglich gedacht als Entlastung für den Linzer Stadtteil Auhof, der im Zuge des Ausbaus der Universität im Verkehr zu ersticken drohte, ergriff man die einmalige Gelegenheit am Schopf, anhand des Projekts zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Aus dem Halbanschluss zur Verkehrsentlastung von Linz-Auhof wurde der neue Anschlussknoten „Ostumfahrung Linz“ zur Entlastung der staugeplagten Voest-Brücke geschaffen. Den Strategen des „Masterplans Ostumfahrung“ war jedoch bewusst, daß ihr Projekt die notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) in dieser Form kaum bestehen würde.

Findige Juristen fanden jedoch auch für dieses Problem eine Lösung: Indem das Projekt in zwei Teile gespalten wird, umgeht man die strengen Bestimmungen des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes. In einer ersten Projektphase errichtet man anstelle des geplanten Vollanschlusses lediglich einen Autobahn-Halbanschluss, wofür entweder gar kein oder nur ein vereinfachtes UVP-Verfahren mit relativ guten Erfolgsaussichten durchschritten werden muss. Baut man in der zweiten Projektphase den Halbanschluss dann zu einem Vollanschluss aus, ist mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt keine UVP mehr fällig, wodurch man de-facto die strengen Bestimmungen des UVP-Gesetzes vollkommen legal umgeht. Indem man die betroffene Bevölkerung bezüglich der wahren Absichten hinters Licht führt, reduziert man gleichzeitig potentiellen Widerstand gegen das Projekt. Und sobald schließlich ein Gewöhnungseffekt an den neuen Halbanschluss eingetreten ist, kann dieser auch schnell und einfach zum Vollanschluss ausgebaut werden. Ein einfacher Gemeinderatsbeschluß der Stadt Linz ist ausreichend, um die Nachbargemeinde Steyregg mit Verkehr zu überschwemmen.

Denn zwei kleine Ortschaften sind für die Interessen der Stadt Linz kein Hindernis. Und so werden Plesching und Windegg auf dem Altar  des Masterplans Ostumfahrung geopfert.

Plesching Will Leben, 13.2.2010

Oberösterreich-Heute Beitrag zum Autobahnanschluss vom 15. Feb 2010

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Weblinks:

Anlagen:
 Presseaussendung_Bgm_Buchner[Presseaussenung von Bürgermeister Buchner vom 14.2.2010 zum Anschluss A7 Universität]2611 Kb